Ein Interview mit Joachim Wulff, Geschäftsführer HOLZ & HAUS, Handel mit ökologischen Baustoffen und Naturholzmöbeln GmbH

Handwerkskammer: Was ist der friedensthaler?


Joachim Wulff: Der friedensthaler (ft) ist ein Wertgutschein. Das heißt, er hat einen Wert, der steht drauf, und man kann in verschiedenen Läden anstelle von Euro mit ft bezahlen. Holz und Haus ist ein zweigleisiges Unternehmen, wir betreiben ein Handwerk und wir betreiben Handel. Das heißt, man kann bei uns mit friedensthalern einkaufen und wir können unsererseits mit ft Material einkaufen und die ft an unsere Mitarbeiter ausgeben. Im Handwerksbereich wird allerdings nichts mehr mit Bargeld bezahlt, so dass hier der elektronische ft zum Einsatz kommen muss.

Handwerkskammer: Welche Unterstützung wünschen Sie sich von der Handwerkskammer?

Joachim Wulff: Der ft ist ja ein regionales Zahlungsmittel und die regionalen Handwerksbetriebe sind alle Mitglieder in der Handwerkskamme. Von daher ist es wichtig, dass die Kammer hinter der regionalen Währung steht. Da der ft zu Anfang zunächst dort eingesetzt wird, wo es um den täglichen Bedarf geht, also Bäcker, Fleischer etc., ist es von großer Bedeutung, dass die Handwerkskammer mitzieht.

Handwerkskammer: Wie funktioniert die Handhabung des ft im täglichen Geschäft?

Joachim Wulff: Uns ist klar, dass der friedensthaler Mehraufwand bedeutet. Wir haben ja unterschiedliche Zahlungssysteme, Lieferschein und Rechnung, Bargeld und natürlich auch die bargeldlose Zahlung. Mit dem ft kommt also ein bzw. kommen zwei weitere Zahlungssysteme dazu. Eine zweite Währung in der Kasse stellt kein Problem dar, zumal ja auch nicht umgerechnet werden muss, wie das bei Fremdwährungen der Fall wäre. Eingenommene Beträge in ft werden wie Einnahmen in Euro behandelt. Bei der bargeldlosen Zahlung muss man berücksichtigen, dass damit immer Gebühren verbunden sind. Wir bieten unseren Kunden beispielsweise keine Zahlung mit EC-Karte an, da dafür bei uns nur geringe Nachfrage herrscht und uns die Gebühren zu hoch sind. Wenn wir mit dem bargeldlosen ft ein günstiges Zahlungsmittel zur Verfügung haben, ist das ein Vorteil.

Handwerkskammer: Wie werden Sie ft ausgeben?
Joachim Wulff: Zahlung an Mitarbeiter wird kein Problem sein, wenn genügend Einkaufsmöglichkeiten vorhanden sind.

Handwerkskammer: Was ist denn der besondere Reiz des ft für Ihr Unternehmen?

Joachim Wulff: Der ft ist für uns deshalb besonders interessant, weil er das regionale Wirtschaften unterstützt. Als wir Holz und Haus gegründet haben, gab es eine breite Szene an alternativen Betrieben, mit denen es eine gemeinsame Basis gab. Davon ist nicht mehr viel übrig geblieben. Unsere Zulieferer sind, bis auf wenige Ausnahmen, nationale oder internationale Unternehmen. Trotzdem versuchen wir immer wieder, mit regionalen Partnern zusammenzuarbeiten. Im Prinzip geht es ja darum, die Wertschöpfung auch in der Region zu halten. Dabei ist es wichtig, mit anderen Unternehmen vor Ort in Kontakt zu kommen. Der friedensthaler hilft dabei. Und er tut das ja insbesondere dadurch, daß er zinsfreie Liquidität bringt.
Ein weiterer Aspekt ist die Kundenbindung: der ft kann ja nur in der Region ausgegeben werden. Das heißt, wer ft im Portemonnaie hat, kommt eher zu uns als beispielsweise im Internet zu bestellen.

Handwerkskammer: Wie stellen Sie sich die Verwirklichung des Masterplans zum Klimaschutz durch das Handwerk vor und wie kann der ft das vorteilhaft begleiten?


Joachim Wulff: Mit unserem Unternehmen arbeiten wir schon lange an den Aufgaben, die der Masterplan stellt. In unserem Fall ist es die biologische Fassadendämmung. Mit vielen weiteren Impulsen rechnen wir für unser Unternehmen nicht. Für andere Firmen wird das anders aussehen. Hier wird der ft nicht zuletzt auch als Finanzierungsinstrument hilfreich sein.